Archiv: JD-Bayern 1984-94 zwischen RPJ/HU und Grüner Jugend

Die Jungdemokraten im Landesverband Bayern hatten nach der Trennung von der FDP 1983 eine wechselhafte Geschichte.

Ende staatlichen Förderung durch den Ring-Politischer Jugend
Die staatliche Förderung erfolgte damals über den Rind Politischer Jugend (RPJ), in dem sich die Junge Union(JU), die Jungsozialisten(JuSos), zum Teil den Jungbayrn Bund (JBB – Bayernpartei) und die Deutschen Jungdemokraten zusammengeschlossen haben.
Die Förderung wurde erstmalig angezweifelt, als die Jungdemokraten sich erfolgreich an der Volkszählungsboykott-Bewegung beteiligt habe, die manche als verfassungsfeindlich eingestuft haben. Die Androhung der Mittelstreichung musste fallen gelassen werden als schließlich das Bundeverfassungsgericht selbst die Leitplanken für Volkszählungen neu fasste und das „Grundrecht auf Informelle Selbstbestimmung“ betonte.
Am 18. Juli 1983 wurde der RPJ Oberbayern auf einer Sitzung auf Antrag von Hermann Mayer (JU) mit der Zustimmug von Bernhard Groth(Jusos) und dem JBB aufgegeben. Die DJD waren der einzige verbliebene Verband im RPJ Oberbayern der fortan ohne Geldmittel da stand, und abgewickelt wurde. Die Grundlage der Entscheidung war der Passus in der Präambel der Satzung des RPJ Oberbayern:
„…die gemeinsame Absicht der genannten Jugendgruppen der vier demokratischen Parteien, ihre politische Mitarbeit miteinander zu verstärken.“
Den Parteibezug als Voraussetzung zu machen war juristisch höchst umstritten. Zudem gab es mit den LD und den Grünen noch zwei Versuche eine „Mutterpartei“ in Bayern zu finden. Die DJD waren schon immer ein selbständiger Verband, anders als die Jusos als Arbeitsgruppe in der SPD.

Unterschiedliche Wege nach der politischen Jungendarbeit

Die politisch aktiv gebliebenen Jungdemokraten hatten mit vielen Alt-Liberalen noch die Partei Liberalen Demokraten(LD) mitgegründet, deren Versuche im Bundestag oder Landtagswahlen Mandate zu erlangen scheiterte 1983 in Bremen und Hessen an der 5%-Hürde und an dem fehlenden Mut der SPD hier ein Bündnis mit einem strategischen Partner einzugehen. Die LD hielt ihren kleinen Landesverband in Bayern lange am Leben. 2026 steht auf der Partei-Seite „Landesverband im Aufbau“.

Die bayrischen Sozialliberalen zersplitterten sich weiter. Einige fielen ohne politische Heimat in die politische Passivität. Andere blieben in der FDP, in der in Bayern mit Hildegard Hamm-Brücher und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger zwei starke Frauen lange noch in der Öffentlichkeit standen.

Einige gingen in die SPD, wie Cony Lohmeier, die über die Deutsche Angestellten Gewerkschaft(DAG) den Weg in die Gleichstellungstelle der Stadt München fand.

1986 beschäftigte sich der KV München der Jungdemokraten mit dem Asylrecht, fasste einen Beschluss und verteilte das Flugblatt „Rettet das Asylrecht. Im Januar 1987 gab es den Beschluss des Münchner Kreisverbandes kollektiv in die Humanistische Union Bayern zu wechseln, deren politische Inhalte sehr ähnlich waren, und die sich ebenfalls zur Radikaldemokratie bekannten. Das Büro in der Verdistraße 44 wurde am 1.2.87 verlassen. Der Landesverband zog nach Nürnberg.

In Nürnberg hatten die Jungdemokraten schon lange ein Büro in einem Turm in der alten Stadtmauer, fußläufig zum Hauptbahnhof: Splittertormauer 5 – 8500 Nürnberg 1 war von 1987 bis in die frühen 1990er der Sitz des Landesverbandes.

Grün Bunte Jugend – Versuch einer Annäherung
Ende der 1980er-Jahre sahen in Bayern die meisten Aktiven und neu Hinzukommenden die Grüne Partei die Kraft für linksliberale und radikaldemokratische Ansätze.
In Nürnberg gab es in dieser Zeit den aktivsten Kreisverband. Er brachte die Jugendzeitung Liberta heraus:

1989: Jugendpolitischer Kongress im Komm in Nürnberg

Vom 27. – 29.10.89 kam es unter der Federführung der Jungdemokraten und Finanzierung durch den Grünen Landesband zu einem landesweiten jugendpolitischen Kongress unter dem Motto
Lebe wild und gefährlich.

Einladungsflugblatt Jugendkongress 1989 mit Programm

Am 24./25. März 1990 gründete sich in München das Grün-Bunte-Jugendnetzwerk, das einige Basisgruppen mit den JD zusammenschloss und die Grünen als parlamentarischen Ansprechpartner sah. In einer Satzung wurde die Altersgrenze zunächst auf 26 Jahr festgelegt, der Bundesverband der JD definierte die Altersgrenze bei 35 Jahren.
In München gründete am 13. Mai 1991 der aus NRW hinzugezogene dreißigjährige Grüne Martin Ottensmann mit einigen grünen Jugendlichen die Münchner Alternative Jugend (MAJ), die einige Publikationen und Veranstaltungen herausbrachte und sich als Teil des GB-Jungendnetzwerkes sah.

Grüne Zusammenarbeit auf Bundesebene
In der grünen Partei sahen viele Mitglieder sich selbst als „ewige Jugend“ und sahen nicht die Notwendigkeit für einen eigenständigen grünen Jugendverband. Der Bundesvorstand der Grünen beauftragte eine Redaktion (u.a. die JD Pascal Beucker, Eva Schaaber, Ernst-Christoph Stolper) mit einer

Im September 1989 erschien der Rundbrief der Bundesgeschäftsstelle der Grünen an die Orts- und Kreisverbände. Der Schwerpunkt war die Jugendpolitik und die Debatte um den Jugendverband und das Angebot der Jungdemokraten.

In München wurde auch im Grünen Kreisverband München-Mitte über das Angebot der GBJ als Jugendverband diskutiert. Referenten: Margarete Bause(LaVo) und Martin Ottensmann(GBJ). Dort wurde das politische Angebot auch im Rundbrief mitverschickt.

JD zwischen den Stühlen im Flügelkampf der Grünen in Bayern
Vielen Grünen in Bayern und waren das Angebot aber zu links. In diesen Zeiten verliefen die Debatten zwischen den Realos und dem Linken Forum (andere nannten es „Fundis“). Viele sahen nicht die Notwendigkeit einer eigenen politischen Positionierung der Jugend, sondern wollten nur die Einbindung in Aktionen und in den Wahlkampf.
Am 6./7. September 1991 kam es zum Show-Down in Landesvorstand der bayerischen Grünen. Er lehnte es ab die GBJ als Jugendverband anzuerkennen. In einem Brief vom 7.9.91, der vom gesamtem Vorstand persönlich unterschrieben wurde bekamen die Vertreter*innen der GBJ in Bayern (Katja Schütze, Horst Eberlein, Frimi Dimpel, Anne Schacht und Kamran Salami) die Entscheidung erläutert. Stefan Pompl trat daraufhin bei den Grünen aus. Horst Eberlein verlässt später ebenso die Partei und arbeitet in der GEW und im Umfeld der Linken als Öffentlichkeitsarbeiter weiter.
Ein GBJ-Antragsrecht wurde schon auf der Landesversammlung in Lindau am 15./16. Juni 1991 abgelehnt.
In München versuchte Martin Ottensmann und Horst Eberlein das Projekt mit der Münchner Alternativen Jugend(MAJ) und einem Jugendrundrief 01/92 und einer Landesversammlung am 8.3.1992 am Leben zu halten. Die Altersgrenze sollte von 26 auf 29 Jahre erhöht werden, um die Stetigkeit und das politische Niveau zu erhöhen. Der Fusion mit der ostdeutschen MV auf Bundeseben sollte nur zugestimmt werden, wenn der neue Verband auch weiterhin die Grünen als parlamentarischen Ansprechpartner sehen. Inhaltlich ging es um den Rechtsterror in Hoyerswerda.


Jugendrundbrief 1/92 zur Landesversammlung am 8.3.92 in München.

Das Migrationsprojekt der JD zu den Grünen war aber gescheitert.

Es hätte den Aufbau des jugendpolitischen Strukturen bei den Grünen sicherlich beschleunigt, das politische Niveau schneller von Happenings und Partys hin zu eine Jugendpolitik und Interessensvertretung geführt. Von dem Zugang zu finanzielle Mitteln (RPJ,…) ganz zu schweigen.


Es gab noch einiges Hin- und Her beim Thema „Grüne Jugend“. Zunächst wurde die Jugendkontaktstelle gegründet, die einen Rundbrief herausbringt. Anne Schacht übernimmt im März 1994 die Juks-Bayern. Später entsteht daraus die Grüne Jugend Bayern.

Zudem ganzen Prozess hat 2009 auch der heutige Landtagsabgeordnete Toni Schuberl ein eigenes Buch herausgebracht

Download als pdf– Auf seiner Homepage toni-schuberl.de.

20 Jahre jung
ISBN 978-3-937438-26-9

Das Buch enthält neben Interviews mit den Ekin Deligöz, Toni Hofreiter, Ludwig Hartmann und Ines Eichmüller eine historische Zusammenfassung, in der er auch seine Sicht auf das Angebot der Jungdemokraten mit dem GBJ aufgenommen hat. Jedoch war das einzige inhaltliche Statement nur ein Flugblatt zum Thema Sexualität und Onanie. Die Rundbriefe und Anträge enthielten mehr Positionen.

Toni Schuberl war zusammen mit Werner Graf das erste Sprecherpaar der Grünen Jugend Bayern.
Werner Graf wurde später Mitarbeiter der bayrischen Abgeordneten Claudia Roth und ist 2026 Oberbürgermeisterkandidat der Grünen in Berlin.
toni-schuberl.de – Publikationen – Grüne Jugend Bayern.

Weg zur JD/JL beendet grünes Partner-Projekt
Mit der bundesweiten Fusion der JD mit der ostdeutschen Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke war praktisch auch die strategische Nähe zu den Grünen bald Geschichte. Der Verband nannten sich fortan Jungdemokraten / Junge Linke (JD/JL) und die meisten pochten auf ihre Parteiunabhängigkeit, viele versuchte dann später den Weg durch Institutionen über die Partei Die Linke.
1994 gab es das letzte Flugblatt der Grün Bunten Jugend im Zusammenhang mit dem Bundestagskandidaten in München-Nord: Martin Ottensmann. Sein Urteil im Nachgang:
Das grüne Projekt der JD wäre langfristig nicht gut gegangen!“.

Er selbst begleitet die Fusion der JD mit der MV noch in der Mandatsprüfungskommission für den Landesverband Bayern und überschritt 1996 die obere Altersgrenze. 2023 wird er in den Vorstand vom Radikaldemokratischen Bildungswerk e.V. gewählt und übernimmt das Archiv und die von Horst Eberlein geschaffene Plattform radikaldemokraten.de und organisiert die regionalen Aktivitäten in Bayern.

Die 1994 zugleich auf dem Realo-Ticket kandierende Ekin Deligöz bekam einen guten Platz auf der Landesliste und wurde in den Bundestag gewählt. Sie war eine einflussreichsten Gegnerinnen der Zusammenarbeit mit den JD/GBJ in Bayern. Bis 2025 nahm sie ihr Bundestagsmandat war. 2021-2025 war sie Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Eine erfolgreiche Kariere.

Vergleich DJD – Grüne Jugend
Aus der Grüne Jugend Bayern stammen viele politische Nachwuchskräfte. Neben Ludwig Hartmann (MdL), Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende, MdL) auch Jamila Schäfer(MdB), Dominik Krause (Oberbürgermeister München) und viele andere. Auf den Landes und Standversammlungen haben sie nun schon lange Antrags- und Rederecht, bekommen stetig ihre Listenplätze und fordern ihre Mutterpartei auf radikaler zu sein, mehr Mut zu zeigen. Im Vergleich zu den Zeiten bei den DJD sind sie nicht so tief in programmatische Debatte und Beschlusstexten verstrickt, sondern zeigen – passend zur Zeit – mehr Stärke in der schnellen Kommunikation, und arbeiten mehr aktionsorientiert.
In vielen großen Städten wie München hat dei Grüne Jugend eine Größe erreicht, die alle anderen Jugendverbände in den Schatten stellt.

Offline- und Online-Archiv
Die für diesen Abschnitt beschrieben Dokumente wurden in das Offline-Archiv des Radikaldemokratischen Bildungswerks e.V. aufgenommen und werden an das Institut für Zeitgeschichte in München gegeben.
Dort sind auch schon die Unterlagen aus der vorherigen Epoche von Rudolf Knappe (1978 – 1980 DJD, Bezirksvorsitzender Mittelfranken,1980 Landesvorsitzender Bayern; Bundesvorstandsmitglied 1980).
Archiv des Instituts für Zeitgeschichte

Zum Herunterladen:

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